Pflanzen, pflegen, ernten – Oder: was das Verhandeln Ihrer Werte mit der Kultivierung eines gemeinsamen Gartens zu tun hat!

Wo Menschen aufeinandertreffen, wird immer kommuniziert, auch wenn es nicht „hörbar“ ist. Gleiches gilt für die Unternehmenskultur – ebenso wie für Ihren Garten. Es ist egal, ob Sie sich als Unternehmende(r) aktiv darum kümmern oder auch nicht, die Unternehmenskultur wächst und verändert sich stetig. Sie ist immer da, ob nun strukturiert und harmonisch oder wild und frei wuchernd.
Dringender Handlungsbedarf in Sachen Unternehmenskultur ist dann angezeigt, wenn der Wildwuchs im Bereich Abteilungsdenken so groß geworden ist, dass das Verständnis von Arbeit und von Arbeitsprozessen weit auseinandergeht und der Stress von Mitarbeitenden und Führungskräften das Arbeitsklima zunehmend belastet.

Holen Sie die Werkzeuge aus dem Schuppen und machen sich an die Arbeit!

Schritt 1: Den Boden bereiten! Oder: Ein Kernteam bilden und sich den Auftrag abholen
Das Entscheidende für das Gestalten einer gemeinsamen Kultur ist, dass die Mitarbeitenden aller Abteilungen und darüber hinaus auch aus allen Führungsebenen vertreten sind. Letzteres gestaltet sich manchmal schwierig, sollte Sie aber nicht darin hindern weiterzugehen. In einen solchen Fall gilt es andere Brücken zu bauen, um eine Übereinkunft zu erreichen (Einzelgespräche, Reporting…). Ebenso werden Sie vielleicht feststellen müssen, dass die Begeisterung, sich mit der eigenen Unternehmenskultur zu befassen, nicht von allen im Unternehmen geteilt wird: „Wir haben doch eigentlich Wichtigeres zu tun.“ Klingt nach einer Killerphrase, oder?

Schritt 2: Wie soll der Garten bestellt werden? Oder: Ein gemeinsames Arbeitsverständnis im Kernteam schaffen
Einige Teammitglieder werden mit den Prinzipien der Projektarbeit vertraut sein: Klarer Rahmen, klar strukturierte Arbeitsschritte und ein definierter Zeitplan. Der Boden ist bereitet und es kann losgehen.
Bei der Unternehmenskultur jedoch ist es deutlich anders, häufig ist vieles noch nicht sichtbar, es gibt keinen Anfang und kein Ende und wie Ihre Unternehmenskultur in Zukunft aussehen soll, weiß noch niemand so recht. Über diese Herausforderungen müssen Sie sich im Team bewusst sein – es ist ein wirklich agiles Projekt. Ob Sie richtig oder falsch liegen, wird sich erst nach jedem Arbeitsschritt zeigen, wenn Sie diesen mit den Mitarbeitenden und Führungskräften committen.

Schritt 3: Was würde gut gedeihen? – Oder: Sich einen Überblick über die Vielfalt der Werte bzw. der Pflanzen im Garten verschaffen
Starten Sie eine Abfrage in der Belegschaft: Was schätzt du an unserem Miteinander, der Zusammenarbeit im Team, mit den anderen Abteilungen? Was nervt dich? Was sollten wir in Zukunft besser hinbekommen? Die Sammlung sollte möglichst öffentlich sein. Das kann z. B. ein Open Space Workshop sein oder eine Metaplanwand, die im Foyer steht und an der man anonym seine Aussagen anpinnen kann. Öffentlich deshalb, weil so die verschiedenen Ansichten gleich geteilt werden, alle die Vielfalt sehen können und der eine oder andere Skeptiker doch noch motiviert wird, sich ebenfalls zu beteiligen.

Schritt 4: Einen Pflanzplan machen – Oder: Die Werte zueinander in Beziehung setzen
Im Arbeitsteam werten Sie dann die Rückmeldungen aus der Belegschaft aus und ordnen den Aussagen jeweils passende Werte zu. Z.B. wären bei einer Rückmeldung wie: „Ich erwarte, dass die vereinbarten Absprachen /Prozesse eingehalten werden und es nicht dieses ständige Hin und Her gibt“ denkbare Werte Sicherheit/Struktur/Ordnung. Suchen Sie im nächsten Schritt in Ihrem Team die gegenüberliegenden Werte, in diesem Fall wäre das z.B. Flexibilität/Freiheit.
Auf diese Weise sehen Sie schon mal, welche Pflanzen sich in Ihrem Garten nicht gut in unmittelbarer Nähe vertragen. Bei manchen Werten werden Sie im Team feststellen, dass es Ihnen schwerfällt einen gegenüberliegenden Wert zu finden. Diese Werte, wie z.B. Orientierung oder Transparenz, sind häufig gut für die Mitte geeignet und bieten eine Verhandlungsbasis für das gemeinsame Werteverständnis.
Dieses Zwischenergebnis teilen Sie wieder mit der Belegschaft und probieren aus, ob die Werte, die in Balance sind, für die erste Verhandlungsrunde taugen.
Noch ein wichtiger Hinweis: Es gibt häufig auch eine vierte Komponente, die Sie analysieren sollten. Da fällt die Entscheidung nicht zwischen dem einen oder dem anderen Wert oder dem Sowohl-als-auch (Mitte), sondern keines von beidem! Manchmal geht es nämlich in Wirklichkeit um etwas ganz anderes.

Schritt 5 – Den Garten pflegen und ausgestalten! Oder: Das Verhandeln der Werte
Es ist sicherlich wunderbar, wenn man sich auf Gemeinsamkeiten, die uns einen, einfach und unkompliziert verständigen kann. Und dann diese Werte mit Festlegungen der jeweiligen Handhabung in die Arbeitsprozesse integriert, es also möglichst ganz konkret mit Beispielen belegt und sich entsprechend stringent an die gemeinsame Pflege des Gartens machen kann. In kleineren Unternehmen kann diese Vorgehensweise gut funktionieren.
Sind die Kulturen im Unternehmen aber sehr unterschiedlich und gab es lange einen tolerierten „Wildwuchs“, dann ist es mitunter zielführender über die gemeinsamen Probleme zu gehen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben eine Gruppe von Gärtnern im Unternehmen, die es sehr schätzen, wenn alles sehr übersichtlich und aufgeräumt aussieht. Demgegenüber stehen eine Reihe von freiheitsliebenden Gartenbegeisterten, die möglichst wenig Eingriffe wollen und sich wünschen, den Garten einfach nur genießen zu können, als sich ständig in ihm abrackern zu müssen. Da ist es eher schwierig, überhaupt Gemeinsamkeiten aufzuspüren. Probleme werden sie aber beide gemeinsam haben, das ist sehr wahrscheinlich. Sprechen Sie über diese Probleme und finden Sie die Schnittstellen heraus. Wir von perspect setzen an dieser Stelle oft Problemlösetechniken wie „Ishikawa“ oder die „5 why Methode“ ein, um dann zu Lösungen zu erarbeiten.

Fazit: Die Früchte ernten – Oder: Eine gemeinsame Unternehmenskultur bringt das Unternehmen voran!
Die Entwicklung einer gemeinsamen Unternehmenskultur benötigt Einsatz und Engagement von den Mitarbeitenden aller Abteilungen und Ebenen. Alle kommen in Bewegung, verhandeln über Werte, erkennen Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Damit es gut funktioniert, darf es nicht bei einer einmaligen Aktion bleiben, sondern muss stetig weiterentwickelt werden. Und so wie ein gut bestellter Garten im Laufe der Jahre immer reichere Ernte bringt, können Sie die Früchte Ihrer Arbeit genießen, wenn Sie feststellen, dass sich die Zusammenarbeit in den Teams verbessert, dass es weniger Reibungsverluste gibt und sich ein „Gemeinsames an einem Strang ziehen“ entwickelt.

Unternehmenskultur erfolgreich gestalten