Gesund Führen 2020: Nicht Bange machen lassen! Part 2
Vom konstruktiven Umgang mit den Ängsten der anderen

15.05.2020 | geschrieben von Ursula Fleckner-Jung

„„In jeder Krise steckt auch eine Chance““ (Autor unbekannt)

Angst ist ein sehr mächtiges Gefühl, das ungeahnte Energien freisetzen kann, wenn man sich von ihr nicht lähmen lässt. Viele Menschen erleben aber Angst oft nur als bedrohlich und brauchen Hilfe, um die Chancen von Krisensituationen zu erkennen und daraus Lösungsideen zu entwickeln. Sie werden es als Führungskraft in dieser Ausnahmesituation immer wieder mit Mitarbeiter*innen zu tun bekommen, die mit ihrer Unsicherheit und den veränderten Anforderungen durch Homeoffice schlecht umgehen können und deren Produktivität darunter ebenso leidet, wie ihr privates Leben. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit und Führung.

 

Zu den Autorinnen: Ursula Fleckner-Jung, Jana Kohlmetz und Sonja Wettlaufer sind versierte Coach und Trainerinnen zum Thema Gesund Führen. Sie beraten Firmen, Führungskräfte und Teams darin, psychische Belastungen zu erkennen, abzubauen soweit möglich und insbesondere Ressourcen aktiv zu stärken. Die Beraterinnen gehen dabei unmittelbar praxisbezogen, systemisch und stark lösungsorientiert vor.

 

Angst ist ein sehr mächtiges Gefühl, das ungeahnte Energien freisetzen kann, wenn man sich von ihr nicht lähmen lässt. Viele Menschen erleben aber Angst oft nur als bedrohlich und brauchen Hilfe, um die Chancen von Krisensituationen zu erkennen und daraus Lösungsideen zu entwickeln. Sie werden es als Führungskraft in dieser Ausnahmesituation immer wieder mit Mitarbeiter*innen zu tun bekommen, die mit ihrer Unsicherheit und den veränderten Anforderungen durch Homeoffice schlecht umgehen können und deren Produktivität darunter ebenso leidet, wie ihr privates Leben. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit und Führung.

Die aktuelle Situation fordert uns heraus, intensiver als sonst mit den Menschen um uns herum zu kommunizieren, offen über seine aktuelle Situation zu kommunizieren und das Miteinander zu fokussieren. Vor allem gegenüber den Mitarbeiter*innen, die Sie als Führungskraft schon seit vielen Jahren kennen! Im Gespräch wird schnell deutlich, ob Ihre Mitarbeiter*innen sich zu Hause wohl fühlen, Vertrauen in das Unternehmen haben oder zunehmend unruhig werden. Hier sind Sie gefragt: Seien Sie authentisch und schaffen Sie im ersten Schritt Vertrauen, indem Sie mit den Mitarbeiter*innen  auch über Ihre Angst und Unruhe sprechen, über die häusliche Situation bei Ihnen, die Eltern oder andere Themen, die parallel zur Arbeit einen hohen Stellenwert einnehmen.

Die Mitarbeiter*innen im Homeoffice

Menschen im Homeoffice haben weder einen Arbeitsweg noch eine Veränderung ihrer räumlichen Umgebung, wenn sie arbeiten. Es gibt keine Kollegen*innen, keinen kleinen Tratsch beim Kaffee, keine Diskussionen mit Menschen, die ganz anders denken und ticken. Zu Hause ist alles vertraut und nah, es ist der Raum, der Emotionen zulässt, ja sogar fordert! Ehepartner, Kinder, Familie und Freunde sind vor Ort. Und nun auch noch die Arbeit, die sonst in einem völlig anderen Rahmen stattfindet.
Die Kinder sind aktuell zu Hause und brauchen Aufmerksamkeit, je jünger sie sind, desto mehr. Der Laptop steht auf dem Küchentisch, der Ehemann sitzt mit dem Rechner im Schlafzimmer, und die Kinder geben mit Glück vielleicht eine Stunde Ruhe. Da konzentriert und effektiv zu arbeiten ist alles andere als einfach.

In solchen sehr dichten Situationen und ungewohnter ständiger Nähe – auch zu geliebten Menschen – bekommen wir schon mal einen „Lagerkoller“ oder auch „Dichtestress“. Die neue Herausforderung, gleichzeitig familiären und beruflichen Erwartungen entsprechen zu müssen und dies oft unter hoher emotionaler Belastung, bedeutet für viele Menschen mehr Stress als der Leistungsdruck im normalen beruflichen Alltag. Dieser Stress macht auch Angst. Manche fühlen sich der aktuell der Situation nicht gewachsen, haben Angst zu versagen und nicht alle Rollen gut genug ausfüllen zu können. Oder sie spüren zunehmende Gereiztheit und Aggression zu Hause. Die Themen und Probleme sind so vielfältig wie die Menschen, die mit ihrer Arbeit und der Familie zu Hause sitzen. Wenn die Mitarbeiter_innen auch noch zwischen Homeoffice und  Büro wechseln, kommen weitere Herausforderungen hinzu, die von der Führungskraft mehr Kontakt und ein hohes Einführungsvermögen fordern. Der Wechsel erfordert mehr Kommunikation mit den Mitarbeiter*innen und Transparenz über Pläne und Entscheidungen. Zu Hause fühlen sich manche Kolleg*innen ausgeschlossen, da sie im Vergleich zu den Kolleg*innen im Büro über weniger Informationen verfügen. Dem sollten Führungskräfte Rechnung tragen und für einen konstanten und regelhaften Informationsaustausch sorgen.

Was können Sie als Führungskraft tun?

Als Führungskraft ist es nun an Ihnen, den Kontakt mit dem – aktuell oft nicht so souveränen – Mitarbeiter, der Mitarbeiterin aufzunehmen und vorsichtig zu erfragen, wie es ihm oder ihr geht. Hören Sie gut hin, fragen Sie nach der momentanen Situation, und steuern Sie, wenn es passt, auch Ihre eigenen Erfahrungen bei. Vermitteln Sie vor allem: Angst ist normal in einer ungewissen Situation, aber sie zeigt auch das Problem, das es zu bewältigen gilt. Die Situation ist zur Zeit für alle gleichermaßen unklar und wenig planbar. Darüber kann man sich austauschen und die aktuelle Befindlichkeit äußern. Es muss keine Lösung gefunden werden, aber sich zu öffnen kann für den Einzelnen entlastend wirken (siehe Blog „Wahrnehmung schärfen“).

Aus der Therapie von Angststörungen wissen wir, Angst wird nur weniger, wenn man sie bewusst aushält. Jedes Vermeiden oder Verleugnen erhöht den Druck und den Stress.

Den Blick auf’s Ganze verändern!

Helfen Sie Ihren Mitarbeiter*innen, die Herausforderung und vor allem die Chance in dieser Situation wahrzunehmen! Besprechen Sie gemeinsam mit ihnen die aktuellen Belastungen und Möglichkeiten.

Aber legen Sie den Fokus auf eine veränderte Blickrichtung!

Es gibt viele Fragen, die Ihre Wahrnehmung auf die Chance lenken, auf das, was hinter der Angst steckt. Ungewohnte Situationen ermöglichen uns, kreativ zu werden!

Stress als Chance für’s Gehirn

Der Neurobiologe Hüther beschreibt in seinen Ausführungen über Stress, dass das Gefühl, eine Situation nicht mehr lösen zu können, zu neuen Hirnstrukturen führen kann. Alte, nicht mehr nützliche Verbindungen werden gelöst und neue aufgebaut. Das ist die Chance! Angst zeigt den Weg in Neues, in Auswege, in qualitativ andere Lösungen.  Angst sagt, dass es aktuell nicht mehr möglich ist, mit vorhandenen Ressourcen das Problem zu lösen. Unser Gehirn kann und muss dann Neues ersinnen!

Denken Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeiter*innen, Ihren Kolleg*innen, Ihrer Familie und Ihren Freunden: was ist da Neues? Was soll ich lernen? Welche neuen Fragen tauchen in dieser Situation auf? Tauschen Sie sich aus, sprechen Sie miteinander, philosophieren Sie über diese Fragen und entwickeln Sie Ideen jenseits der Angst miteinander!

Fazit

Haben wir keine passenden Lösungen für aktuelle Situationen, müssen wir Neues entwickeln!

Angst kann daher ein Wegweiser sein, wenn wir sie aushalten. Eine Veränderung kann nicht gelebt werden, wenn wir vor Angst starr werden.

 

Weitere Beiträge dieser Reihe: 

Gesund Führen 2020: Krisen gemeinsam meistern

Gesund Führen 2020: Wahrnehmung schärfen

Gesund Führen 2020: Nicht Bange machen lassen! Part 1

Ihre Ansprechpartner*innen

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Sonja Wettlaufer
Meine Aufgaben: Training, Beratung und Coaching

  • Dipl. Psychologin
  • Systemische Beraterin
  • Verhaltenstherapeutin
  • WAVE® und SWIFT-Lizenzierung (Persönlichkeits- und Fähigkeitstests)

 

Ursula Fleckner-Jung
Meine Aufgaben: Training, Beratung und Coaching

  • Dipl.Psychologin
  • Systemische Therapeutin (ISTUP)
  • Systemische Organisations-beraterin (WIBK)
  • Non-Profit-Managerin (mibeg)
  • Systemische Paartherapeutin

 

Jana Kohlmetz
Geschäftsführung | Meine Themen: Gesund Arbeiten, Führung, Berufscoaching | Meine Aufgaben: Training, Beratung und Coaching

  • Dipl. Pädagogin (Erwachsenenbildung und Beratung)
  • Dipl. Kauffrau (Personalmanagement)
  • Systemischer Coach® (DGfC)
  • Disability Management Professional® (CDMP)
  • Interner Auditor DIN SPEC 91020
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • ab-c® Arbeitsbewältigungscoaching
  • Expertin für neue Lerntechnologien

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