Gesund Führen 2020: Wahrnehmung schärfen
Gesund Führen heisst Wahrnehmung schärfen!

16.04.2020 | geschrieben von Sonja Wettlaufer

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Gesund Führen bedeutet somit weit mehr, als Krankheit oder einen Krankenschein zu vermeiden. Gesund Führen ist eine aktive Auseinandersetzung mit dem Wohlbefinden. In bewegten Zeiten wie dieser kommt der geistigen oder mentalen Gesundheit eine sehr hohe Bedeutung zu. Im Kern bedeutet geistige Gesundheit die Fähigkeit, leistungsfähig zu sein und abschalten zu können.

 

Zu den Autorinnen: Ursula Fleckner-Jung, Jana Kohlmetz und Sonja Wettlaufer sind versierte Coach und Trainerinnen zum Thema Gesund Führen. Sie beraten Firmen, Führungskräfte und Teams, psychische Belastungen zu erkennen, abzubauen soweit möglich und insbesondere Ressourcen aktiv zu stärken. Die Beraterinnen gehen dabei unmittelbar praxisbezogen, systemisch und stark lösungsorientiert vor.

 

Diese Coronakrise hat Auswirkungen auf uns alle, auf jeden persönlich. Ein Blick ins das eigene Team zeigt vielleicht folgendes Bild: Anke kommt mit der aktuellen Situation ziemlich gut zurecht, zeigt sich eher optimistisch. Martin ist unsicher, mögliche Kurzarbeit macht ihm zu schaffen und er hat Angst um den Verlust seines Arbeitsplatzes, zumal das Haus noch nicht abbezahlt ist. Günther ist oft genervt, die Betreuung seiner Schulkinder fordert ihn massiv, die Wohnung ist für das Arbeiten im  Home-Office eigentlich zu eng.

Sinne schärfen

Von zentraler Bedeutung ist, dass ich als Führungskraft wirkliches Interesse am Wohlergehen meiner Mitarbeitenden habe. Meine Wahrnehmung schärfe ich, indem ich

Nach einem Gespräch, Videocall oder Telefonat ist es gut, wenn ich mir kurz Zeit nehme, um ein inneren Bild von meinem Mitarbeiter zu skizzieren: was ist mir aufgefallen oder habe ich ein „komisches“ Bauchgefühl, das ich (noch) nicht in Worten beschreiben kann? Gilt es noch aufmerksamer zu werden?

Gut im Kontakt sein

Ergänzend ist es wichtig, mit den Mitarbeitern gut in Kontakt zu sein. Dies verlangt oft nach einem Dialog mit den Mitarbeitern, der tiefer geht als gewöhnlich. Mögliche Fragen können sein:

Mit solchen Fragen können Sie beginnen, den Dialog zu vertiefen. Dieser Dialog wird zumeist auch persönlicher als gewohnt, denn um im Home-Office konzentriert arbeitsfähig zu sein, müssen viele private Themen unter einen Hut gebracht werden.

Wie gehe ich mit den Antworten der Mitarbeitenden um?

Ein Teil unserer Besorgnis löst sich zuweilen im Gespräch auf. Wenn ich spüre, dass dies so sein darf,
wenn ich höre, dass es Anderen ähnlich geht, wenn ich wahrnehme, dass wir im gleichen Boot fahren.  
Dialoge dieser Art können Sie im Einzelgespräch mit einem Mitarbeitenden oder auch mit dem ganzen Team initiieren.
Eine Voraussetzung um Dialoge dieser Art zu führen, um diesen Raum zu öffnen, ist, dass ich als Führungskraft meine eigene Unsicherheit, Besorgnis, Angst anschaue und dass diese sein darf im Sinne von „Ja, das ist auch da“.

Gut im Kontakt sein bedeutet auch, dem Mitarbeiter ein individuelles, differenziertes, konstruktives Feedback zugeben zu seiner Arbeitstätigkeit. Gerade jetzt, wo Prioritäten oft verschoben werden, viel Neues zu lernen ist, anders zu handeln ist, gibt eine klare Rückmeldung Sicherheit.

Psychische Belastungen erkennen

Psychische Belastungen können sich bei den Menschen auf unterschiedliche Weise zeigen. Mögliche Anzeichen können sein: sich kaum konzentrieren können, keine Prioritäten setzen, fahrig sein, launisch, impulsiv, schlecht schlafen, nicht abschalten, mehr in Konflikt gehen, Konflikte verdrängen, sozialer Rückzug, Neigung zu Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch.
 
Nehme ich als Führungskraft wahr, dass ein Mitarbeiter psychisch besonders belastet ist, führe ich mit ihm ein „Fürsorgegespräch“, indem ich ihm schildere, was mir auffällt. Ich biete ihm meine Unterstützung an, mit ihm gemeinsam nach Entlastungsmöglichkeiten zu schauen.

Fazit

In diesen bewegten Zeiten ist es für Führungskräfte von besonderer Bedeutung, das körperlich geistige und soziale Wohlbefinden der Mitarbeiter in den Fokus zu nehmen. Es gilt, die Sinne zu schärfen, um den Mitarbeitenden wahrzunehmen und gut mit ihm in Kontakt zu sein.
Konkret heisst dies

 

Weitere Beiträge dieser Reihe:

Gesund Führen 2020: Krisen gemeinsam meistern

Gesund Führen 2020: Nicht Bange machen lassen! Part 1

Gesund Führen 2020: Nicht Bange machen lassen! Part 2

Ihre Ansprechpartner*innen

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Sonja Wettlaufer
Training, Beratung und Coaching

  • Dipl. Psychologin
  • Systemische Beraterin
  • Verhaltenstherapeutin
  • WAVE® und SWIFT-Lizenzierung (Persönlichkeits- und Fähigkeitstests)

 

Ursula Fleckner-Jung
Training, Beratung und Coaching

  • Dipl.Psychologin
  • Systemische Therapeutin (ISTUP)
  • Systemische Organisations-beraterin (WIBK)
  • Non-Profit-Managerin (mibeg)
  • Systemische Paartherapeutin

 

Jana Kohlmetz
Geschäftsführung, Gesund Arbeiten, Führung

  • Dipl. Pädagogin (Erwachsenenbildung und Beratung)
  • Dipl. Kauffrau (Personalmanagement)
  • Systemischer Coach® (DGfC)
  • Disability Management Professional® (CDMP)
  • Interner Auditor DIN SPEC 91020
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • ab-c® Arbeitsbewältigungscoaching
  • Expertin für neue Lerntechnologien

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