„Führung auf Augenhöhe“
Führung entlasten durch mehr Eigenverantwortung der Mitarbeitenden

zum Autor: Henrik Weitzel ist Mitarbeiter in den Bereichen Agiles Arbeiten, Unternehmensentwicklung, Mitarbeiterbefragungen und Kompetenzentwicklung.

9:00 Uhr – Ich bin motiviert auf dem Weg zur Arbeit, in meinen Gedanken gehen ich noch schnell die wichtigen Termine und Aufgaben des heutigen Tages durch.
Doch im Büro angekommen sehen ich auf dem Schreibtisch schon drei gelbe Post-It Zettel, im Computer sind fünf weitergeleitete Mails und das Telefon zeigt auch mehrere entgangene Anrufe an. „Das fängt ja super an.“, denke ich mir und schon schwinden meine Motivation und – was noch viel schlimmer ist – meine Zeit!

Im nächsten Moment klopft es an meiner Tür:. „Sorry, aber da ist ein Herr Mayer am Telefon, soll ich den durchstellen, oder ist das nicht wichtig?“
Da könnte ich platzen! Herr Mayer ist der penetranteste Vertreter, den ich kenne und das GANZE TEAM weiß eigentlich, dass seine Anrufe NIE durchgestellt werden sollen.

9:45 Uhr – Endlich alle angestauten Dinge erledigt, jetzt kann ich mich an die wirklich relevanten Aufgaben setzen. Doch plötzlich geht die Tür auf: „Chef, wie funktioniert das nochmal mit der Neukundenaufnahme?“

Manchmal frage ich mich, wozu wir Anleitungen und Arbeitsanweisungen haben...
10:30 Uhr – Auf dem Weg in die Teeküche, um mir einen Kaffee zu holen steht plötzlich ein Mitarbeiter vor mir und fragt ganz unsicher „Irgendwie stimmt was an meinem PC nicht. Das Dokument wird mir einfach nicht angezeigt. Was mache ich denn jetzt?“
Jetzt muss ich auch noch für IT-Fragen herhalten. Produktiv arbeiten werde ich heute wohl nicht mehr. 

So oder so ähnlich könnte ein typischer Morgen aussehen – definitiv alles andere als entspannt. Ganz im Gegenteil, manchmal hat man eher den Eindruck, als wären man im Kindergarten oder zumindest kurz davor.

Ich, Henrik Weitzel B.A. bin fachlicher Assistent bei perspect und obendrein noch im Master-Studium für Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt Medienbildung. Durch meine Arbeit bei perspect konnte ich glücklicherweise schon bei diversen Beratungen unterstützend tätig werden.
Daher kann ich Ihnen aus Erfahrung versichern, dass der oben aufgeführte Arbeitsmorgen keine Märchenerzählung ist. Viele der dort angesprochenen Stressfaktoren und Störungen treten in unzähligen Büros auf.

Und jedes Mal sehnen sich Führungskräfte nach einer Entlastung und wünschen sich mehr Unterstützung seitens ihres Personals. So kann die Führung selbst Aufgaben wie Strategieplanung und Digitalisierung nachgehen, ohne welche ein Unternehmen nicht zukunftsfähig ist.
Doch um dies zu erreichen müssen die Mitarbeitenden lernen eigenverantwortlich zu handeln und nicht bei jeder Frage zum Chef zu rennen. Und der Chef muss lernen genau dies zu ermöglichen.
 
Aus unserer Beratungserfahrung können wir mögliche Ursachen dieser Probleme nennen!

Nicht selten liegen zu viele Entscheidungen zu oft an der Spitze, dadurch entsteht ein Nadelöhr und alle Mitarbeitenden haben das Bedürfnis Sie zu Fragen, bevor etwas gemacht wird.
Oft findet man dann ein sehr mütterlich oder väterlich hierarchisches Führungsverhalten vor. Problem hier: wenn man so führt, dann muss man leider immer und alleine führen! Denn alle warten auf Ihre Entscheidungen, Lösungen, etc.
Letztendlich ist die Kommunikation stetig gestört.

Man erzeugt dann zwei Arten von Mitarbeitenden

Die Kommunikationsstörung kann, durch die von Eric Berne aufgestellte Theorie der Transaktionsanalyse beschrieben werden. Diese besagt, dass ein Mensch auf drei Persönlichkeitsebenen reagieren kann. Die drei Ebenen sind das Kind-Ich, das Eltern-Ich und das Erwachsenen-Ich.

Das Kind-Ich zeichnet sich durch ein rebellisches und an spontane Bedürfnisse orientiertes Verhalten aus. Das Eltern-Ich hingegen wird durch ein fürsorgliches und zugleich kritisches Verhalten geprägt. In der Kommunikation miteinander kann das Eltern-Ich dazu führen, dass Botschaften falsch aufgenommen werden oder der höfliche Ton verloren geht. Auch besteht die Gefahr, dass beim Gesprächspartner das Kind-Ich geweckt wird und dieser dann trotzig und rebellisch reagiert.
Das Erwachsene-Ich nimmt den logischen Part ein, reagiert immer an die Situation angepasst und zeichnet sich durch ein rationales, vernünftiges und vorausschauendes Verhalten aus.

Befinden sich beide Gesprächspartner auf der Erwachsenen-Ich Ebene wird eine reibungslose und effektive Kommunikation ermöglicht.


 
Die Transaktionsanalyse veranschaulicht sehr gut, dass Kommunikation immer auf Augenhöhe stattfinden sollte.
 
Mein persönlicher Tipp: Reflektieren Sie sich selbst und geben Sie ruhig zu, wenn keine Ressourcen für das Erwachsenen-Ich mehr vorhanden sind. Dann verschieben Sie die Entscheidung oder das anstehende Gespräch einfach auf einen späteren, besser passenden Zeitpunkt.
 
Jetzt stellen Sie sich bestimmt die Frage „Und wie kann man meine Situation verbessern?“
Wir empfehlen hier eindeutig einen Lösungsansatz zu wählen, welcher die Mitarbeitenden einbezieht. Das haben wir auch schon bei Unternehmen angewendet und zwar mit positiven Ergebnissen!

Ich durfte genau in solch einem Fall die Beratung begleiten und habe innerhalb eines halben Jahres eine extreme Verbesserung im Unternehmen festgestellt.
Zu Beginn sollte herausgefunden werden, wo die Mitarbeitenden Belastungen und Störungen in den Abläufen sehen. Bei diesem Vorgehen wird die Führung bewusst außen vorgelassen und es wird eine neue veränderte Situation geschaffen, in welcher die Mitarbeitenden selbstständig Lösungen erarbeiten müssen.

Nach einer Analyse der Belastungs- und Störfaktoren (meist in Form einer Personal-Befragung) werden in verschiedenen, von uns moderierten, Gruppenworkshops die analysierten Faktoren bearbeitet. Dabei bekommt die Führung lediglich in regelmäßigen Abständen Rückmeldung über den aktuellen Stand der jeweiligen Gruppen.
Innerhalb dieser Workshops werden, unseren Erfahrungen nach, oftmals Zusammenhänge herausgearbeitet, die erklären, warum manche Entscheidungen und Prozesse nicht einfach umzusetzen sind oder sehr viel Zeit beanspruchen.

Durch diese Art der Lösungssuche lernen die Mitarbeitenden Schritt für Schritt selbstständig und eigenverantwortlich mit Arbeitsaufgaben, Problemen und Herausforderungen umzugehen. Dies führt im Endeffekt nicht nur zur Entlastung der Führungskraft, sondern befähigt das Unternehmen auch dazu schneller und flexibler agieren zu können. Denn das Personal hat eine höhere Entscheidungskompetenz und kann u.a. Kundenanforderungen effektiver und effizienter umsetzten.
 
Fazit

Findet die Kommunikation im Unternehmen vermehrt auf der Erwachsenen-Ich Ebene statt, kann das Personal dazu befähigt werden selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln. Dann erkennen Führungskräfte im Nachhinein oft, dass sich auch ohne ihr Zutun etwas im Unternehmen bewegt.
Zudem wurde uns schon mehrfach positiv berichtet, dass Mitarbeitende plötzlich ihre eigenen Ideen einbringen und Aufgaben auch mal reflektiert betrachten und nachfragen stellen.

Dieser Prozess bedeutet natürlich nicht nur für das Personal eine Umstellung. Auch die Führung muss sowohl die Kommunikation auf der Ebene des Erwachsenen-Ich und somit auf Augenhöhe führen als auch Vertrauen, Strukturen und klare Prozesse ermöglichen und transparent mit den gefällten Entscheidungen umgehen.
Im Endeffekt begreift sich eine Führungskraft somit als ein Teil des Teams und wird von den Mitarbeitenden auch als ein solches wahrgenommen.

Ihre Ansprechpartner

Henrik Weitzel
Agiles Arbeiten

Erziehungs- und Bildungswissenschaftler (B.A.) mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung,
Student der Erziehungswissenschaft (M.A.) mit dem Schwerpunkt lebenslanges Lernen und Medienbildung