geschrieben von Henrik Weitzel



Thomas, 51 Jahre alt (Name geändert) ist gelernter Ingenieur und hat bereits 26 Jahre Berufserfahrung.
In seinen bisherigen Berufsjahren hat er erfolgreich als Führungskraft und selbstständiger Unternehmensberater gearbeitet. Beruflich strebt er eine Veränderung an und möchte in der Modebranche Fuß fassen. Ein Grund dafür sind die hohen Arbeitsbelastungen in seinem bisherigen Berufsleben, welche sich negativ auf das Wohlbefinden und die Zufriedenheit ausgewirkt haben. Aber vor allem auch der Wunsch, endlich dies tun zu können, was ihm wirklich richtig Spaß macht und erfüllt.

 

Thomas, Sie haben ja schon einige Jahre Berufserfahrung „hinter sich“, ich möchte gerne wissen, wie groß sind denn aus Ihrer Sicht heute die Chancen „Gesund durch den Job zu kommen, um Gesund die Rente erreichen zu können?

In meinen ersten 10 Berufsjahren als Abteilungsleiter war dies auf jeden Fall ein wichtiges Thema. Zu dieser Zeit war ich in einem amerikanischen Unternehmen tätig, in welchem der Druck auf die Mitarbeiter deutlich zu spüren war. Dies lag mitunter an dem sehr großen Aufgabengebiet.
Außerdem gab es eigentlich immer einen zeitlichen Druck, da die Terminschienen extrem eng getaktet waren.

 

Also kann man sagen, dass eine permanente Belastung geherrscht hat?

Ja genau. Zumal unsere Kunden sehr hohe Erwartungen hatten, standen wir unter einem permanenten Zeit- und Qualitätsdruck. In der Automobilindustrie muss das Produkt nun mal zu einem gewissen Zeitpunkt und in einer bestimmten Qualität abgeliefert sein. Und wir durften uns nicht vertun, es musste eingehalten werden, egal wie.

 

Und wie haben Sie die Belastungen nach Ihrer Zeit als Abteilungsleiter empfunden?

In meiner Zeit als Selbstständiger war die Belastung sehr ähnlich. Die Kundentermine waren vorgegeben und ebenfalls sehr eng getaktet. Hinzu kam noch die Tatsache, dass ich meine Aufträge selber suchen musste, was natürlich auch wieder Stress verursacht hatte. Und natürlich müsste irgendwie Geld reinkommen, das kam ja nicht von alleine.

 

Was denken Sie, kann man persönlich tun, um diese Belastungen zu minimieren und somit das das Ziel gesund die Rente zu erreichen verwirklichen kann?

Man muss auf jeden Fall seine Ressourcen besser einteilen. Ich mache das jetzt, indem ich mir ein neues Berufsfeld suche, was mir wesentlich mehr Freude bereitet. Ich habe inzwischen gemerkt, dass der Markt für Ingenieure nichts mehr bietet, was mir Spaß machen oder mich weiterbringen würde. Und dann wäre es nur noch eine Belastung.

 

Sie haben sozusagen erkannt, dass Ihr bisheriger Beruf inzwischen zu viele Ressourcen verbraucht und eine deutliche Belastung darstellt?

Genau. Mit 25 hatte man noch wesentlich mehr Energie, da konnte man den Stress und die Belastung noch gut verkraften. Aber mit dem Alter merkt man da schon einen Unterschied und wenn man ehemalige Arbeitskollegen oder Studienkollegen auf dem Friedhof besuchen kann, wird man schon nachdenklich.

 

Nun möchte nicht jeder einen Berufswechsel vollziehen.
Was denken Sie können Unternehmen und Arbeitgeber tun, um die Belastungen zu reduzieren?

Unternehmen sollten auf jeden Fall besser planen. Im Vergleich zu früher steht heutzutage für dieselbe Arbeit weniger Zeit oder weniger Personal zur Verfügung. Und allgemein sollten Unternehmen mehr auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten. Immerhin sind die Mitarbeiter das Humankapital und das Know-How vieler Firmen.

 

Haben Sie eine Idee, was sich in der Gesellschaft ändern muss, um die angesprochenen Belastungen zu minimieren und gesund in die Rente kommen zu können?

Es muss sich definitiv etwas ändern. Auch aufgrund der Alterspyramide muss eine Umstrukturierung stattfinden. Wir müssen weg von dem 8-Stunden Tag und der Erwartungshaltung permanent erreichbar zu sein.
Meiner Meinung nach, ist unser Leben und unsere Arbeit, wie wir sie momentan gestalten auf Dauer nicht machbar. Zumindest nicht mit den verfügbaren Ressourcen.
Wir müssen weg von diesem höher, schneller, weiter.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit und dieses Interview.


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